GWP-Nachweis 2027
Ab 2027 kommt der GWP-Nachweis für viele Neubauten als Pflicht. Hier kurz, was sich ändert, wer betroffen ist — und wie das Ganze ohne teure Spezialsoftware in Excel läuft.
Pflicht ab 2027
Bisher war der GWP-Nachweis nur ein Thema, wenn man Fördergeld wollte. Ab 2027 wird er für viele Neubauten verpflichtend — geplant ist die Verankerung im Ordnungsrecht parallel zur nächsten GEG-Novelle. Heißt praktisch: Bauantrag ohne Nachweis funktioniert dann nicht mehr.
Was ist GWP?
GWP steht für Global Warming Potential — das Treibhauspotenzial eines Bauprodukts in kg CO2-Äquivalent. Im Nachweis summierst du diese Werte über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes auf: von Herstellung über Nutzung bis Rückbau. Am Ende steht eine Zahl, die sagt, wie klimaschädlich das Gebäude über seine Lebensdauer ist. Methodische Basis ist die Ökobilanz nach DIN EN 15978 und DIN EN 15804+A2.
Wer ist ab wann betroffen
Wer heute schon QNG plant, kennt das Spiel: für QNG-PLUS und QNG-PREMIUM ist die Ökobilanz mit GWP-Berechnung Pflicht, und das gilt für jedes Wohngebäude, das KfW-Förderung mit Nachhaltigkeitsklasse bekommen soll. Praktisch heißt das: alle Architekten, die mit BEG-/KfW-Stufe NH arbeiten, rechnen GWP schon jetzt.
Ab 2027 trifft es dann auch alle, die ohne Förderung bauen — zumindest in den Gebäudekategorien, die das neue Ordnungsrecht erfasst. Konkrete Stichtage, Schwellenwerte und betroffene Gebäudeklassen werden hier ergänzt, sobald der Verordnungstext final ist.
Was du an Daten brauchst
- Mengen aus der Planung — Flächen, Volumina, Massen, aus BIM oder Massenermittlung.
- GWP-Werte je Bezugseinheit aus der Ökobaudat oder produktspezifischen EPDs.
- Nutzungsdauern — wie oft ein Bauteil über den Betrachtungszeitraum (meistens 50 Jahre) ausgetauscht werden muss.
Praxisbeispiel Wandaufbau
Zwei Wandaufbauten gegenüberstellen — Mauerwerk mit Mineralwolle gegen Holzrahmen mit Zellulose. Pro Schicht GWP-Wert je m² ermitteln, mit Dicke und Rohdichte auf die tatsächliche Masse hochrechnen, alles summieren. Fertige Beispieldatei zum Nachbauen: Ökobilanz Beispiel 1 — Vergleich Wandaufbauten (.xlsx).
Werkzeuge im Vergleich
Grob gibt's drei Lager. Spezialsoftware mit geführten Masken: eLCA vom BBSR (kostenlos, in DE Standard für QNG), One Click LCA (finnisch, international groß, deckt viele Zertifizierungen ab) und Caala (deutsch, stark im frühen Entwurf). BIM-Plug-ins für die modellbasierte Bilanzierung — etwa Tally für Revit oder LCAbyg aus Dänemark. Und drittens Excel mit Datenanbindung — flexibel, transparent, keine Lizenzkosten.
baudatnow ist die Excel-Variante: ein Add-in, das Ökobaudat-Datensätze direkt per Formel in die Tabelle holt. Du behältst die volle Kontrolle und arbeitest in einem Werkzeug, das jedes Büro eh schon hat.
Schritt für Schritt in Excel
Typischer Workflow mit baudatnow:
- Bauteilkatalog anlegen — pro Bauteil eine Zeile, je Schicht Dicke, Rohdichte, Bezugseinheit.
- Datensatz zuordnen —
=naga.data(Suchbegriff)findet passende Ökobaudat-Einträge per Fuzzy-Match. - GWP-Wert ziehen —
=naga.get(Datensatz; GWPtotal; A1-A3)liefert kg CO2-eq pro Bezugseinheit. - Mengen umrechnen — über Fläche, Dicke und Rohdichte (Bezugseinheit per
=naga.info(Datensatz; Bezugseinheit)) auf reale Masse skalieren. - Lebenszyklus berücksichtigen —
=naga.life(Datensatz)abfragen, bei kürzerer Nutzungsdauer als Betrachtungszeitraum den Austauschfaktor einrechnen. - Module C und D ergänzen — analog mit Modulen
C3-C4bzw.D. - Auswerten — Pivot, Diagramme, Sensitivitäten. Excel kann das alles.
Häufige Fragen
Ab wann gilt die GWP-Nachweispflicht?
Der Zeitpunkt hängt vom anzuwendenden Förder- oder Genehmigungsregelwerk ab. Bestimmte Förderprogramme (QNG, KfW-Stufen) fordern die Bilanzierung bereits heute; eine breitere Pflicht im Ordnungsrecht ist für 2027 angekündigt.
Brauche ich teure Spezialsoftware?
Nein. Die Berechnung lässt sich auch in Excel durchführen, wenn die Datensätze aus Ökobaudat zugänglich sind. baudatnow integriert sie direkt in die Tabellenkalkulation — du behältst die volle Flexibilität von Excel.
Welche Lebenszyklusmodule sind nachzuweisen?
Üblicherweise A1–A3 (Herstellung), C3/C4 (Entsorgung) und D (Verwertung jenseits der Systemgrenze). Welche Module verpflichtend sind, regelt das jeweils anzuwendende Bewertungssystem.
Wie funktioniert das mit baudatnow in Excel?
Mit =naga.get(Material; Indikator; Modul) holst du den
GWP-Wert direkt aus Ökobaudat in deine Tabelle. Mengen und Lebensdauer
rechnest du wie gewohnt mit Excel-Formeln. Beispieldatei:
Ökobilanz Beispiel 1.
Fazit
Kein Hexenwerk, aber man muss früh dran denken — wer den GWP-Nachweis erst in der Werkplanung anfängt, ärgert sich. Den Workflow einmal sauber in Excel mit Ökobaudat-Anbindung aufgesetzt, läuft das nächste Projekt deutlich runder.